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Der Schimmelreiter Artikel
Der Schimmelreiter ist der Titel einer Novelle von Theodor Storm. Wenngleich Storm sich mit der Sage bereits jahrzehntelang beschäftigt hatte, begann er erst in dem Juli 1886 mit dem Werk, welches in dem Februar 1888 fertiggestellt wurde. Es wurde erstmals in der Deutschen Rundschau in dem April 1888 abgedruckt, kurz vor Storms Tod in dem Juli 1888. == Hintergründe ==
Als Grundlage diente eine Sage, wobei sich Storm selbst nicht mehr exakt erinnern konnte, wo er diese Sage ursprünglich gelesen hatte. Bereits in seiner Jugend ließ sich der Dichter stets wieder von gespenstischen Geschichten aus Schleswig-Holstein inspirieren, die er in Manuskripten zusammenfasste. Zwar beZieligte er, diese in einer Sammlung mit dem Titel Neues Gespensterbuch zu veröffentlichen, jedoch ist er zeitlebens nicht mehr dazu gekommen. Erst 1991 wurde diese Sammlung letztlich veröffentlicht, doch bleibt die Frage, warum der Schimmelreiter hier nicht enthalten war. In einem Brief an einen Freund schreibt Storm, dass die Sage zwar aufgrund ihres Charakters zu anderen Geschichten durchaus passen würde, doch sie würde leider nicht "unserem Vaterland gehören".
Immer wieder wird die Novelle erzählt, wird bei Geschichten über Nordfriesland Bezug genommen, dies verstärkt in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. In diesen Zeitraum fällt auch die erste Verfilmung des Schimmelreiters. Heimatforscher wollen nun plötzlich wissen, dass man sich die Geschichte schon stets an der Westküste erzählt hätte. Doch einen Beleg aus der Zeit vor 1888, der Bezug zu Nordfriesland, Dithmarschen und Eiderstedt nehmen könnte, findet sich nicht.
Storm selbst gibt in seiner Novelle letztlich den entscheidenden Hinweis, aus dem sich der tatsächlich Ursprung herleiten lässt. Denn er schreibt dort:
- Was ich zu berichten beZielige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert in dem Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kundgeworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den "Leipziger" oder von "Pappes Hamburger Lesefrüchten".
Und tatsächlich erschien 1838 in dem Hamburger Pappe-Verlag eine Ausgabe, in der ein Nachdruck des "Danziger Dampfboots" enthalten war. Dieser Nachdruck enthielt auch die Geschichte „Der Güttlander Deichgeschworene“. Diese Geschichte, die auffällige Parallelen aufweist, spielt 1829, jedoch nicht an der Nordsee sondern an der Weichsel. Einzelheiten über das Leben des Deichgeschworenen erfährt man dort nicht. Erst Storm erfüllt diesen eigentlichen Hauptdarsteller mit Leben und gibt ihm einen Namen: Hauke Haien.
Und obwohl man in der eigentlichen Quelle nichts über das Leben der Hauptperson erfährt und die Geschichte des Güttlander Deichgeschworenen "nur" eine Sage ist, wäre es nicht falsch zu sagen, dass es Hauke Haien tatsächlich gegeben hat. Denn Storm nimmt die Sage von der Weichsel ca. als Grundlage, die Darsteller lehnt er an Personen an, die real existierten. So war beispielsweise Hans Momsen aus Fahretoft (heute Dagebüll) in Nordfriesland (1735 - 1811) Vorlage für die Person Hauke Haien. Der Landmann , Mechaniker und Mathematiker Momsen galt als Einzelgänger , der es als Autodidakt zu erstaunlichen Leistungen gebracht haben soll. Er verstand es, Seeuhren , Teleskope und auch Orgeln herzustellen. Der Bezug zu Momsen wird auch deutlich, da Storm diesen Namen in seiner Novelle eingangs erwähnt. Auch spiegeln sich die Ideen des Deichbaufinanziers Jean Henri Desmercieres bezüglich neuer Deichprofile in Storms Werk wieder. Desmercieres gilt als der Erbauer des Sophien-Magdalenen-Kooges und des Desmerciereskooges . Das Gehöft des Deichgrafs in der Novelle scheint identisch mit dem Hof des Deichgrafen Johann Iwersen-Schmidt (14.06 1798 - 1. März 1875) zu sein. Und diese Übereinstimmungen lassen sich auch an weiteren Personen und Dingen festmachen.
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Das Werk ist in drei Ebenen aufgebaut und gerade dies führt am Anfang zu Verwirrungen beim Leser. Da ist zunächst ein Erzähler, der davon berichtet, wie er einst von einer Geschichte erfahren hat. Danach wird eine Rahmenerzählung konstituiert. In deren Rahmen erzählt ein Reisender, wie er sich mit dem Pferd bei Sturm und Regen von einem Besuch bei Freunden auf den Heimweg macht. Bei dem Ritt über den Deich glaubt er die Geräusche eines weiteren Reiters zu hören, kann jedoch beim Zurückschauen niemanden entdecken. Plötzlich sieht er, wie ein Schatten an ihm vorbeizieht, es ist der Schatten des Schimmelreiters, der sich mitsamt seinem Pferd in die Fluten der aufgebrachten Nordsee stürzt. Der Reisende sieht schließlich in der Ferne die Lichter einer Gastwirtschaft, kehrt dort ein und berichtet von seinem Erlebnis. Die anwesenden Gäste versetzen seine Worte in Unruhe und ein alter Schulmeister beginnt (als Binnenerzähler und in der dritten Ebene) zur Verdeutlichung die Geschichte des Hauke Haien zu erzählen.
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Hauke war Sohn eines Landvermessers , der anstatt sich mit anderen Kinder zu treffen, sich viel lieber mit der Arbeit seines Vaters beschäftigt. Er schaute dem Vater zu und half ihm beim Ausmessen und berechnen. Fasziniert schien er von der See und von den Deichen zu sein. Häufig saß er bis in die tiefe Nacht am Deich und beobachtete, wie die Wellen an den Damm schlugen. Er überlegte auch, wie man den Schutz vor Sturmfluten verbessern könnte, eben indem man die Deiche zur See hin länger anlegen würde.
Als der örtliche Deichgraf einen seiner Knechte entließ, bewarb sich Hauke um die Stelle und wurde angenommen. Doch auch hier half er dem Deichgrafen mehr beim Rechnen und planen als in den Ställen. Somit machte er sich unbeliebt bei Ole Peters, dem bisherigen Knecht, für den Hauke keine wesentliche Entlastung darstellte. Da Hauke auch das Interesse von Elke, der Tochter des Deichgrafen, wecken konnte, verschärfte sich der Konflikt zwischen Hauke und Ole Peters weiter.
Binnen kurzer Zeit verstarben sowohl Haukes als auch Elkes Vater. Hauke erbte Haus und Land seines Vaters. Als es deshalb ging, die Stelle des Deichgrafen neu zu vergeben, keimte der Konflikt zwischen Hauke und Ole Peters erneut auf. Denn traditionell wird Deichgraf, wer das meiste Land sein Eigen bezeichnen konnte. Und dies wäre nun Ole Peters gewesen, der sich zwischenzeitlich in eine Familie eingeheiratet hatte, die mehr Land als Hauke besaß. Gegenüber dem Oberdeichgrafen, der die Stelle des örtlichen Deichgrafen zu vergeben hatte, ergriff Elke das Wort und erklärte, dass sie bereits mit Hauke verlobt wäre und durch eine Hochzeit Hauke das größte Stück Land in der Region besitzen würde. Der Oberdeichgraf willigte ein und Hauke konnte der neue Deichgraf werden.
Hauke setzte nun die neue Deichform, die er als Kind bereits geplant hatte, in die Tat um. Vor einem Teil des alten Deiches ließ er einen neuen bauen, ein neuer Koog entstand und somit mehr Ackerfläche für die Bauern. Die Ritualien der Deichbauer verlangten aber, dass "etwas lebendiges" in dem Deich verbaut werden musste. Zuweilen kaufte man Zigeunern Kinder ab und begrub diese lebendig in den Sandmassen. Hatte man kein Kind "zur Verfügung", so nahm man einen Hund. Doch Hauke untersagte dieses beim Bau seines neuen Deiches und so sahen viele einen Fluch auf diesem Deich lasten.
Tagein tagaus beobachtete er seinen Deich, indem er ihn mit seinem Pferd, einem Schimmel, abritt. Der neue Deich hielt den Stürmen stand, doch der alte Deich, der rechts und links des neuen Kooges zusätzlich verlief und dort die vorderste Front zur See darstellte, wurde vernachlässigt. Als Jahre später eine Sturmflut hereinbrach und der alte Deich an einer Stelle zu brechen drohte, durchstieß man den von Hauke entwickelten Deich, da man hoffte, die Kraft des Wassers würde sich auf den neuen noch unbewohnten Koog konzentrieren. Der, der dies in jener Nacht befahl, war sein alter Widersacher Ole Peters. Doch während sich die Arbeiter mit dem Durchstechen des neuen Deiches beschäftigten, durchbrach der alte Deich. In dieser Nacht eilte auch seine Frau Elke hinaus. Hauke musste mit ansehen, wie die Lücke in dem alten Deich stets größer wurde und letztlich auch seine Frau mit in die Wassermassen zog. In seiner Verzweiflung und in Anlehnung an das fehlende "Lebendige" was beim Bau seines Deiches nicht mit eingebaut wurde, stürzte er sich mitsamt seinem Pferd in den Abgrund und schrie dabei:
- Herr, Gott, nimm mich, verschon die anderen!
Damit endet die Erzählung des Schulmeisters und er fügt an, dass Hauke Haien bis heute keine Ruhe gefunden hätte. Und stets dann, wenn am Deich Gefahr droht, sei ein Reiter auf einem Schimmel zu sehen. Gleichwohl verwies der Erzähler, dass der neue, von Hauke Haien erschaffene Deich, noch stets den Fluten stand hält, obwohl die erzählte Geschichte sich bereits vor über hundert Jahren zugetragen hätte.
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Die in Storms Novelle beschriebene neue Deichbauart hatte sich in der Tat erst in dem 18. Jahrhundert durchgesetzt und wird auch bis heute beibehalten, wenngleich die flache seegewandte Seite inzwischen länger und die Deichkrone höher angelegt wird. Hauke Haien wird als eine Art Nationalheld geehrt, erkennbar an zahlreichen Straßennamen in den Regionen Nordfriesland und Dithmarschen. Der nach ihm benannte 1.200 Hektar große Hauke-Haien-Koog hat jedoch, anders als häufig Touristen vermuten, nichts mit der Figur zu tun. Er befindet sich südlich von Dagebüll und nordwestlich von Ockholm . Etwa 500 Hektar dienen als landwirtschaftliche Nutzfläche, 700 Hektar als Sielgebiet. Zugleich ist er Nistplatz zahlreicher bedrohter Vogelarten. Er wurde erst 1959 eingedeicht.
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Regie: Hans Deppe und Curt Oertel
Darsteller: Mathias Wieman , Marianne Hoppe, Hans Deppe
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Regie: Alfred Weidenmann
Darsteller: Lina Carstens, Anita Ekström , Gert Fröbe, Werner Hinz, John Phillip Law , Vera Tschechowa , Richard Lauffen
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Regie: Claudia Holldack
Darsteller: Erland Josephson , Till Topf
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